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Die Persönlichkeit der Veden
von Sacimata

In Indien werden die heiligen Bücher, "Bhagavata" genannt, genau wie auch ein heiliger Mensch "Bhagavata" genannt wird. Dies ist Ausdruck der grossen Wertschätzung gegenüber allem Heiligen, dem Göttlichen, das höher steht, als man selbst und einem jeden in dieser Welt seine göttliche Hand entgegenstreckt. Es ist keine weltliche Dualität, welche den Verehrer des Veda diese Unterschiedlichkeit spüren lässt. Der Schüler, der diese Verehrung fühlt, weiss ja um sein "Atman-Sein" (sein spirituelles Sein), das auch Wesenskern jedes anderen ist und somit einen jeden in seinem wahren Wesenskern heilig macht. Aber er fühlt, dass er diesen Atman vergessen hat und Bhagavata hilft, dieses Selbst wiederzuerwecken. Aus dieser Haltung heraus, wird den Büchern grosse Verehrung dargebracht.

Es finden sich viele erstaunliche Ratschläge im Umgang mit den Büchern: Sie werden nicht auf dem Boden gelegt, mit den Füssen oder dreckigen Händern berührt und es werden keine Notizen in die Bücher geschrieben. Zum einen sind dies vedischen Texte in langer Tradition auf Palmblättern immer wieder abgeschrieben und überliefert worden. Eine solche Übertragung kam oftmals einem Lebenswerk gleich. Selbst als langsam der Druck erfunden wurde, waren diese Bücher sehr, sehr rar. Der Umgang mit ihnen leitet sich auch aus diesem Verständnis ab, selbst wenn sich heute die Situation verändert hat.

Aber gerade das Vaishnavatum kennt ein Verständnis des Veda, das letztlich zu einem besonderen Umgang veranlasst. Ähnlich wie die Ganga auch als eine Persönlichkeit, als eine Göttin und nicht bloss als ein Fluss, ein Ding betrachtet wird, verhält es sich mit den Büchern. In einer tieferen Betrachtung gelten die Veden nicht als "Sache", obschon sie natürlich aus Zellulose, Leim, Druckerschwärze etc. bestehen. Die Vaishnavas (Verehrer der Persönlichkeit Gottes) sehen als Ursache hinter jeder Energie und jedem Ding die Persönlichkeit. So gehen sie mit einem heiligen Buch, wie mit einer heiligen Person um. Je nach Tradition und Verständnis wird ein Schüler handschriftliche Notizen als Vergehen empfinden. In seinem Empfinden ist so ein Text wie ein Altar, bzw. eine Bildgestalt. Tatsächlich ist es in Indien oft anzutreffen, wie ein Buch ebenso wie eine Bildgestalt mit einer Puja (rituellen Zeremonie) verehrt wird. Würde jemand eine handschriftliche Notiz in ein solches Buch schreiben, würde dies auf das Empfinden des Schülers ähnlich wirken, als ob sich der Betreffende neben einer Bildgestalt auf den Altar gesetzt hätte - ein Unding in den Augen des Verehrers.

Aber all diese Betrachtungen sollen nur helfen. Sie sind nicht dafür gedacht, jemanden zu verurteilen, der nicht in diesem Empfinden. Allein dass jemand handschriftliche Notiz in ein Buch schreibt, macht dieses Buch nicht wertlos und "entweiht" es auch nicht. Vielleicht hat sich der Schreiber diese Notiz gerade deshalb gemacht, weil er sich sehr intensiv mit dem Buch auseinandersetzt, es sehr wertschätzt und sich dermassen vertieft und vertraut damit fühlt, dass er sogar darin schreibt. Die höchste Hierarchie wird nicht durch traditionelle Regeln, sondern durch die Liebe und Zuneigung begründet. So wie in der Geschichte der sehnsüchtigen Frau, die sich schon so lange auf das Kommen Krishnas gefreut hatte. Als er sie dann wirklich besuchte, da war sie so durcheinander, dass sie ihm die süssesten Bananen schälte, die Bananen wegwarf und ihm die Schalen reichte. Und Krishna nahm sie freudig an.

Deshalb geht es bei Geboten und Verboten grundsätzlich nicht darum, jemanden zu entmutigen oder im ein schlechtes Gewissen zu vermitteln. Vielmehr vermitteln sie ein Verständnis der hohen Wertschätzung und der Dankbarkeit und können so vielleicht anderen Anstoss sein, selber nochmehr Wertschätzung und Dankbarkeit zu entwickeln.

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